Das Dorf Eichholz in einer Reise durch 7 Jahrhunderte betrachtet

von Joachim Ruhnau

Seit dem Eroberungskrieg des Deutschen Ordens gegen das baltische Volk der Prussen von 1230 bis 1283 hat unsere ostpreußische Heimat auch in vielen nachfolgenden Kriegen schwer gelitten. Da ich nicht zur Erlebnisgeneration gehöre steht es mir nicht zu, über die Zeit des Zweiten Weltkrieges zu berichten. Stattdessen werde ich die Geschichte des Dorfes Eichholz aus Dokumenten nacherzählen. Leider bestehen große zeitliche Lücken, über die keinerlei Informationen vorliegen.  Das Dorf Eichholz war von den Kriegen durch die Jahrhunderte unterschiedlich stark betroffen.

Gleichzeitig mit der Anlage der Städte begannen die Komture zu Balga im ersten Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts mit der Besiedlung durch deutsche Bauern. Der zeitliche Ablauf des Siedlungsvorgangs kann nicht mehr geschildert werden, weil von den mehr als 40 gegründeten deutschen Zinsdörfern über 20 Hufen Größe nur 10 Gründungshandfesten erhalten geblieben sind. Zu diesen ersten deutschen Dörfern gehörte auch unser Dorf Eichholz. Die polnische Gemeinde Eichholz wird 2012 das Siebenhundertjährige Gründungsjubiläum feiern. Mir selbst ist es nicht gelungen, das genaue Gründungsdatum zu recherchieren. Nach Guttzeit wurde Eichholz im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts gegründet – demnach zwischen 1300 und 1333. Das erste Mal urkundlich erwähnt wird Eichholz jedoch erst 1412, zu dieser Zeit mit einer Größe von 64 Hufen.

Der Deutsche Orden beließ die Prußen in unserem Heimatgebiet nach der Eroberung in der Regel an ihren Wohnsitzen. Prußisch sind neben einer Vielzahl weiterer Namen zum Beispiel folgende bekannte Familiennamen:

Kirschnick, Perband, Ruhnau, Ruhnke.

Die Balgaer Komture haben die deutschen Dörfer planmäßig und ziemlich regelmäßig angelegt. Bis in die jüngste Vergangenheit hinein hatten viele Dorfflächen noch die alte viereckige Form und viele Dorflagen eine langgestreckte Form mit zwei gegenüberliegenden Gehöftreihen. In den Kirchdörfern waren 4 Hufen abgabenfrei „zur Ehre Gottes“ bestimmt. Demgegenüber bestand das prußische Weilerdorf im Allgemeinen nur aus wenigen, scheinbar plan – und regellos errichteten Bauerngehöften. Tatsächlich waren diese Weilerdörfer bewußt an eine Quelle, einem Gewässer oder einem Weg errichtet. Im Gebiet des Kirchspiels Eichholz waren die „Freienwinkel“ Perbanden und Kildehnen als prußische Weilerdörfer errichtet.

Für die großzügige Anlage der deutschen Dörfer standen umfangreiche Wälder und Waldlichtungen zur Verfügung. Daher trägt auch Eichholz den diesbezüglichen Namen. In der jüngeren Zeit gab es noch eine bemerkenswerte Eiche.

Zur Dorfgründung beauftragte der Komtur einen Lokator oder Besiedler, in einem von ihm erkorenen Gelände ein Dorf mit einer vorher bestimmten Hufenzahl anlegen. Der Lokator mußte deutsche Bauern heranholen und sie in einer bestimmten Frist in dem vorgesehenen Gelände „ansetzen“.  Für die Rodung, den Aufbau der Gehöfte und die Beschaffung von Haustieren und Geräten wurde den Bauern 8 bis 12 Freijahre gewährt. Danach mußten sie die in der Gründungshandfeste festgelegten Geld – und Naturalabgaben zahlen.

Von allgemeiner wirtschaftlicher Bedeutung waren nicht zuletzt für die Kasse des Komturs die Krüge und Mühlen. Im Dorf Eichholz bestanden bereits unmittelbar nach seiner Gründung zwei Dorfkrüge.

Die Mühle von Eichholz verfügte als Besonderheit über zwei Gänge (Räder) und war gut ausgestattet.

Im verheerenden Hungerkrieg von 1414 erlitt das Dorf Eichholz durch polnische Plünderungen und Brandschatzungen sowie Verheerung der Kirche einen Schaden von 3.100 Mark. Im Frühjahr 1455 verursachten böhmische Söldnerscharen im Ermland und in Natangen sehr große Schäden. Eichholz erlitt hierbei sehr hohe Verluste an Vieh.

In Folge des zweiten Thorner Friedens von 1466 mußte der Hochmeister des Deutschen Ordens aus dem Ordensbesitz große Ländereien und sonstiges Eigentum verpfänden, um seine Kriegsschulden bezahlen zu können. So wurde das Dorf Eichholz 1469 für 327 ungarische Gulden an Heinrich Molbach und Jordan Scheller verpfändet. Da diese Schuld noch nicht eingelöst war, ging Eichholz im Jahre 1505 an Hans von Kottwitz über.

Die prußische und deutsche bäuerliche Bevölkerung war sehr verarmt. Mit der Übernahme der verpfändeten Güter und Dörfer und der Ansetzung von Neusiedlern auf Wüstungen haben die ehemaligen Söldner und ihre Knechte erneute Siedlungsarbeit geleistet. Allerdings änderte sich die Siedlungs – und Bevölkerungsstruktur. Während unser heimatlicher Raum bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts ein Bauernland war entstanden in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts umfangreiche Begüterungen mit meist landfremden adeligen Grundherren die bestrebt waren, ihren Besitz immer mehr zu erweitern. Ehemalige deutsche Zinsdörfer wie Eichholz und auch viele prußische Freiensitze gerieten für sehr lange Zeit, teils bis in die Neuzeit, in die Hände des Adels.

In Folge dessen verlor die Landesherrschaft den direkten Einfluss auf die Bevölkerung, während der Einfluß der adeligen Großgrundbesitzer anstieg.

1531 verschrieb Herzog Albrecht das Kirchdorf Eichholz, welches Hans von Kottwitz auf Lebenszeit verliehen worden war, nach dessen Tod auf Lebenszeit an Georg Sack.

Die Bauern saßen unter den Adeligen auf ihren Erben, waren aber darüber hinaus verpflichtet, den adeligen zu zinsen, zu scharwerken und allerlei Hand – und Spanndienste zu leisten, sprich: Alle niederen Arbeiten zu verrichten. In Eichholz mit 60 Hufen Größe hatte Kaspar Sack 9 Hufen für seinen eigenen Hof eingezogen. In vielen anderen Dörfern, vor allem in den prußischen Dörfern hatten die Edelleute keine Gutshöfe eingerichtet, da sie noch ungern eigene Gutswirtschaft trieben und lieber, besonders im Winter, in ihren Häusern in Königsberg lebten.

1499 gründete Schulmeister Anton Schulle in Eichholz die erste Pfarrschule, die nur von wenigen, stimmbegabten Knaben besucht wurde. Da Orgeln in unserem Gebiet erst im 16. Jahrhundert aufkamen, unterstützen die Pfarrschüler den Priester beim Gesang. Auch im 16. Jahrhundert war die Lage der Bauern sehr beschwerlich.

Von 1525 bis 1751 gehörte das Dorf und Kirchspiel Eichholz zum Hauptamt Balga im Kreis Natangen. Der jeweilge Amtshauptmann entstammte dem begüterten Adel an und war zugleich oberster Richter, oberste Polizeibehörde, Domänenverwalter, oberster Steuerbeamter, oberste militärische Instanz und oberster Verwaltungsbeamter. Bereits am 13. Oktober 1595 gründeten die Freien im Gebiet Eichholz den ersten „Vergleich“ als Brandschaden – Vereinigung. Im 17. Jahrhundert war das prußische Geschlecht Söcknich (Sicknick) auf Freigütern ansässig, so auch in Eichholz.

Die Waldbienenwirtschaft hörte im 17. Jahrhundert fast ganz auf. Viele Waldflächen wurden gerodet. Auf diesen Flächen entstanden dann neue Dörfer und Güter. Im Kölmerwinkel des Kreises, gelegen im Kirchspiel Eichholz, verwendete man nach Paul Bordt ausgehölte Weiden und Pappelklötze, die sich Jahre hindurch als die  bequemsten Bienenwohnungen behaupteten.

Zu der alten Kirchschule in Eichholz kam 1739 die Schule in Wohlau hinzu. 1746 beschwerten sich die viele Pfarrer, dabei auch der von Eichholz, dass sie anstatt Brennholz zur Beheizung auch der Pfarrschulen nur Strauch erhalten hatten. Die Königsberger Kammer entschuldigte sich damit, dass die Wälder im Amte Balga völlig ausgeschlagen seien.

1844 nannte der Besitzer des Gutes Eichholz, Hermann Andersch, sein neu errichtetes Vorwerk Hermannshof. In Folge des verlustreichen Befreiungskrieges 1815 lag besonders die Landwirtschaft darnieder. Diese Agrarkriese reichte bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein. Während sich die bäuerlichen Landwirtschaften schneller erholten, mußten sich die Gutsbesitzer oft verschulden. So erlangte gegen 1850 Frau Krüger auf Eichholz an Entschädigung für Regulierungen 338 Morgen Land, mußte sich aber mit 116 Reichsmark verschulden.

Für eine kurze Zeit nach 1818 gehörte das Kirchspiel Eichholz zum damaligen Landkreis Zinten, dessen Landrat der Landschaftsdirektor Ernst Carl Albrecht von Brandt aus Kuppgallen wurde. Mit dem Separatinsgesetz vom 7. Juni 1821 wurde das Werk der Bauernbefreiung vollendet. Es führte zur Auflösung der jahrhundertealten Dorfgemarkung mit den in der Gemengelage liegenden bäuerlichen und gutsherrlichen Ackerparzellen mit dem Flurzwang der Dreifelderwirtschaft. Die Auflösung der Allmende, des Gemeindebesitzes, führte zu einer Verdoppelung der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Ostpreußen von 1815 bis 1849, so dass die Ansiedlung jüngerer Bauernsöhne auf neuen Höfen möglich wurde.

1858 wurde die bis dahin einklassige Volksschule in Eichholz wegen der stark ansteigenden Geburtenzahlen und somit auch Schülerzahlen zweiklassig angelegt. Der Organist Michale Grube als Lehrer in Eichholz hatte einen Verdienst von 69 Reichstalern und 16 Groschen.

1931 hatte das Dorf Eichholz 47 Siedlerstellen und ein so genanntes Restgut. Die übergroße Mehrzahl der Siedlerstellen waren Vollbauernstellen mit 12,5 bis 20 Hektar Größe. Bei der Volkszählung am 17. Mai 1939 hatte das Dorf Eichholz mit dem Vorwerk Hermannshof 484 Einwohner. Zu dieser Zeit war der Gutsbesitzer Richard Lange aus Königlich Gedau Amtsvorsteher des Amtsbezirkes Eichholz. Er war telefonisch erreichbar über den Fernsprecher „Peterswalde 13“.

Postalisch gehörte das Kirchspiel Eichholz seit dem 19. Jahrhundert zu Mehlsack. Im Jahre 1938 erhielt Eichholz seine Post über das Postamt in Zinten. Die Justizangelegenheiten wurden seit dem 1.10.1826 vom Land – und Stadtgericht Zinten wahrgenommen.

Die Kirche von Eichholz heute…

Zur Kirche von Eichholz liegt eine umfangreiche Beschreibung vor. Hier erwähne ich kurz, dass sie ein einfacher, verputzter und chorloser Feldsteinbau aus dem 14. Jahrhundert ist. Später wurden Erweiterungen vorgenommen. Die Ostwand und der westliche Teil der Südwand bis zur Kanzel stammen aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde die Kirche nach Westen erweitert und 1741 das nördliche Seitenschiff erbaut. Der auf massivem Untergrund errichtete Turm ist ein verschalter Ständerbau. Die Glocken wurden 1586 bzw. 1834 gegossen. Im Hungerkrieg wurde die Kirche ihrer Gräte beraubt, die zu dieser Zeit einen Wert von 100 Mark hatten.  Von ihrer Erbauung bis 1527 war die Kirche Katholisch, von 1527 bis 1945 Evangelisch. Seither wird sie wieder von katholischen Priestern, nunmehr Polen, betreut.

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